Das erhoffte Verkehrschaos in Damascus blieb aus. Vielleicht fahren wir aber selber einfach schon so schlecht dass wir es nicht gemerkt haben... In Damascus haben wir das Hammam al-Qaimariyya besucht. Noch nie gehoert? Ein Hammam ist ein roemisches Bad. Dort gingen die Leute frueher hin um sich zu waschen als man zu Hause noch keinen Wasseranschluss hatte. Und so hat sich das etwa abgespielt:
Wir stehen vor der Eingangstuere. Wir wissen nicht ob wir am richtigen Ort sind, es ist alles auf arabisch angeschrieben. Die Tuere steht offen und wir blicken hinein. Muesste passen, ueberall laufen Maenner mit umgehaengten Badetuechern herum. An der Kasse bestellen wir das ganze Programm und geben unsere Wertsachen ab. Dann werden wir zur Umkleide geschickt. Wir entledigen uns unserer Kleider und haengen uns dafuer ein blau-weiss gestreiftes Badetuch um das wir bekommen haben. Und jetzt? Wie zwei kleine Jungs auf dem Jahrmarkt kommen wir uns vor. Man schickt uns ins Bad. Von zwei Kilometern aus sieht man uns an dass wir absolut keine Ahnung haben. Drinnen steht ein "Bademeister" und schickt uns in die Sauna. Natuerlich setzen wir uns auf das oberste Baenkchen, direkt ueber dem Ofen, ist doch klar. Der Bademeister kommt nochmal, tauscht unser trockenes Tuch gegen ein nasses aus und verschwindet wieder. Mann ist das ploetzlich heiss am Allerwertesten! Es sieht uns ja niemand, drum gehen wir eine Bank tiefer... Jetzt ist es megaheiss! Saemi fragt mich schon zum dritten Mal wann denn endlich der Bademeister uns holen kommt. Nach einer geschaetzten Viertelstunde gehts nicht mehr und wir rennen raus, puuhh. Man schickt uns ins Dampfbad. Durch eine Holztuer kommen wir in einen grossen Vorraum. An den Waenden haengen auf kniehoehe Lavabos mit Blechschalen drin. Was geht ab? Einige Maenner laufen im Kreis herum, wir schliessen uns einfach an. Der Bademeister kommt rein und schickt uns in eine Dampfnische. Dort stroemt heisser Dampf aus einem Rohr und man verbrennt sich fast den Kopf wenn man zu lange stehen bleibt. Drum setzen wir uns hin. Dem Dunkelhaeutigen vis-a-vis von mir steht die Hitze nicht so ins Gesicht geschrieben wie uns. Wir leuchten wie die Kuerbisse an Halloween. Ich muss raus. Ich setze mich auf den Boden wie die anderen und uebergiesse mich mit Wasser aus dem Lavabo. Jetzt beginnt das eigentliche Waschen. Kopf, Haare und Intimbereich waescht jeder selber. Als ich fertig bin kommt es mir vor wie in einem Film. Ein Mann, nein ein Baer betritt die Kammer. Etwa 190cm gross, sicher 120 Kilo schwer und ziemlich behaart. Er schaut sich um und zeigt auf mich. "Come, Massage" sagt er zu mir. Ich schlucke leer, stehe auf und folge ihm. Neben mir grinst Saemi wie ein Honigkuchenpferd. Ich lege mich auf den Massagetisch und er beginnt mich einzuseifen. Arme, Beine, Bauch, die Kronjuwelen laesst er aus. Er nimmt meine Arme und reisst sie gegeneinander, wie die beiden Enden von einem Sonntagszopf (wisst ihr wie ich meine?). Dann drehe ich mich auf den Bauch. Er seift wieder alles ein. Dann drueckt er auf meinen Ruecken dass mir die Augaepfel 10cm rausstehen und meine Wirbel um Gnade flehen. Mit einem Klapps auf den Ruecken macht er mir klar dass ich fertig bin. Beim rausgehen sehe ich Saemi, jetzt grinse ich... Der Naechste ist nur halb so gross wie der Baer und wiegt etwa so viel wie ein Bein von ihm. Doch er ist bewaffnet. Mit einem Pfannenriebel schrubbt er jedes noch so kleine Hautpartikel von mir. Ich bin froh als ich endlich unter die kalte Dusche darf. Wir werden abgetrocknet und draussen wird uns warmer Tee serviert. Unsere Koepfe leuchten noch den halben Tag, das Hammam war definitiv ein super Erlebnis.
Ach ja, sorry an alle Frauen. Hammam, for men only...
Ich kann mir das Schmunzeln nicht verkneiffen, aber Braunbären scheint es überall zu geben. Amüsant eure Beiträge zu lesen. Ich treffe euch mit meinem Renner in alShuyukh (gleich um die Ecke bei Hebron), aber dieses mal im Uhrzeigersinn, gell.
AntwortenLöschenHello you two,
AntwortenLöschenwhat a lough, I really enjoy reading your stories and check every lunch time for new ones.
Love form a currenlty very wet and rainy England
x